Pieterjan Ginckels (*1982
in
Tienen, Belgien) lebt und arbeitet in Brüssel. Der NAK hat ihn
zu seiner ersten
großen Einzelausstellung eingeladen, um sein
künstlerisches Schaffen einem
größeren Publikum vorzustellen.
Pieterjan
Ginckels, der auch
unter dem Pseudonym nononoise als
experimenteller DJ und Musikproduzent aktiv ist, arbeitet in sehr
unterschiedlichen Medien, mit Zeichnung, Skulptur, Video, Performance
und
Musik. Das tägliche Leben einer modernen, technikaffinen und
von Populärkultur
geprägten Generation ist der Ausgangspunkt seiner Arbeiten.
Innerhalb dieser
Bandbreite ist Pieterjan Ginckels besonders an zwei Aspekten
interessiert:
Einerseits an den Strukturen und Funktionsweisen, die den kulturellen
Austausch
in populären Subkulturen definiert und die Ginckels als eine
konsequente
Ablehnung der kommerziellen Brauchbarkeit betrachtet und andererseits
an der
nostalgisch motivierten Beobachtung technischen Medialität,
deren rigorose
wissenschaftlich-funktionelle Logik Ginckels dazu provoziert, innerhalb
der
Möglichkeiten von Kunst einzugreifen und diese in eine neue
Relation zum
Menschen zu setzen.
Speziell
für die Ausstellung
im NAK hat Pieterjan Ginckels zwei raumfüllende Installationen
konzipiert, die
unterschiedliche Facetten seines vielgestaltigen Werks zeigen. Im
unteren Ausstellungsraum
wird die Arbeit Powerstation zu
sehen
sein. Powerstation ist ein
Raum-im-Raum, der sich aus einfachen Holzlatten und Pappkartons
konstruiert ist
und der den Ausstellungsraum des NAK auf nicht nachvollziehbare weise
mit
Elektrizität versorgt. Im Inneren hohl, wirft die Installation
Fragen nach der
Herkunft der immateriellen Energieströme auf, die niemals
sichtbar, aber von
unleugbarem Einfluss auf unser Leben sind.
Mit der Arbeit 1000 Beats/1
Beat kombiniert Ginckels im oberen Ausstellungsraum ein visuelles und
auditives
Erleben, in dem Wunsch, die Welt der Kunst mit jener der
populären Musik zu
verbinden. Dabei greift er deren Organisation auf, ihre Funktionsweisen
und die
verbindende Wirkung, die die Vorliebe für den gleichen
Musikstil hat.
Für 1000 Beats/1Beat
wird
eine Anzahl von Schallplattenspieler benötigt, die von Leuten
ausgeliehen
werden, die sich dem Kunstverein oder dem Künstler verbunden
fühlen. Mehrere
Schallplattenspieler werden an ein gemeinsames Mischpult und gemeinsame
Lautsprecher angeschlossen. Auf jedem Plattenspieler wird ein
‚Beat’ gespielt,
also ein einziges Tonsignal, das der international erfolgreiche DJ
Cristian
Vogel als Endlosrille entworfen hat und dessen Cover von der
norwegischen
Designergruppe grandpeople entworfen
wurde. Während Pieterjan Ginckels die Schallplatte als
„Fan“ zum Anlass
genommen hat, mit seinen Idolen zusammenzuarbeiten, wird
die Schallplatte selbst zu einer Art
Skulptur. Indem die Platte
auf mehreren Spielern gespielt wird und die einzelnen Tonsignale
zusammen einen
Rhythmus ergeben, kann dieser Prozess auch als
‚plastische’ Gestaltung
verstanden werden, der zugleich die Beziehungsnetzwerke des NAK als
Installation und Sound darstellt. Durch die Leihgeber, die alle
zusammen einen
„Beat“, also die Schallplatte mit dem
Plattenspieler mit nach Hause nehmen
dürfen, verteilt sich dieser Sound auf der ganzen Welt.
Durch die Ausstellung mit
Pieterjan Ginckels möchte der NAK die aktuellsten Tendenzen
der
zeitgenössischen Kunst einem breiteren Publikum
präsentieren, die auf
Interaktion und Verbindungen zwischen populärer Kultur und
Bildender Kunst
basieren. Das Schaffen von Pieterjan Ginckels
ist
deswegen so bemerkenswert, weil er bisher ein vielfältiges und
vielgestaltiges
Werk geschaffen hat, das ein großes Innovationspotential
jenseits festgelegter
Mediengrenzen aufweist.
Videodokumentation und Interview
mit dem Künstler hier
Website des Künstlers hier
Performance
Sonntag, 2. März, 20 Uhr
Am
letzten Abend wird die Installation 1000 Beats/1Beat von Pieterjan
Ginckels zum Spielplatz für mehrere belgische und Aachener
DJs,
die den 1Beat unter der Direktive von Pieterjan Ginckels bzw. nononoise
ungeahnte und ungewöhnliche Soundfacetten entlocken, bevor die
Installation sich wieder
auflöst.
Im Anschluss daran widmet sich
Pieterjan Ginckels in einer Publikumsdiskussion nie gestellten Fragen.
Präsentiert wird
außerdem die Fortsetzung der 2007
begonnenen NAK Katalogreihe – die Publikation zur Ausstellung
enthält ein ausführliches Interview von Tom Nys mit
den
Protagonisten des 1Beat-Projekts, einen Text von Melanie Bono und
zahlreiche Abbildungen zur gesamten Ausstellung.
Katalog
und Edition
Pieterjan
Ginckels
Dt./Eng., 48 S. Hrsg. NAK, Aachen 2008